Maren Beneke hat für den Weser Kurier einen tollen Artikel über den Carrotmob Bremen geschrieben, den wir freundlicherweise hier einbinden dürfen. Zu finden ist er auch beim Weser Kurier.

Mit Möhren für den Klimaschutz
Von Maren Beneke
Ostertor. Ihre T-Shirts fallen auf. Auch wenn der Schriftzug darauf ein kleines bisschen vom berühmten New Yorker Vorbild abweicht: Die überdimensionale Möhre springt sofort ins Auge. ‘I (carrot) HB’ ist auf den Shirts zu lesen – frei nach dem amerikanischen ‘I (Herz) NY’. Und so lautet auch das Motto der elf Schüler, Studenten und Auszubildenden, die am Sonnabend, 27. Februar, den ersten Carrotmob Bremens veranstalten wollen.
Ihr Ziel: einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. ‘Den Ausschlag hat die Klimakonferenz in Kopenhagen gegeben’, sagt Vanessa Hagedorn aus Arsten, die die Aktion mitorganisiert.
‘Damals ist mir klar geworden, dass die Politiker nicht genug gegen den Klimawandel tun.’ Deswegen habe sie sich Ende letzten Jahres über Möglichkeiten informiert, selbst etwas zu ändern.
Sofort vom Plan begeistert
Im Internet stieß die 21-Jährige damals auf den Bremer Politikstudenten Ivo Gruner, der nach jungen Leuten suchte, die ihm bei einem sogenannten Carrotmob unterstützen. ‘Von dem Plan war ich sofort begeistert’, sagt Hagedorn.
Die Grundidee der Aktion, die ihren Ursprung in San Francisco hat, ähnelt der eines Flashmobs: An einem bestimmten Tag sorgen die Organisatoren dafür, dass möglichst viele Menschen in einem bestimmten Geschäft einkaufen.
Im Fall von Bremen ist dies der Kiosk ‘Que Pasa Amigos’ im Ostertor. Die Hälfte seines Tagesumsatzes will der Besitzer des Ladens für Energiesparmaßnahmen ausgeben.
‘Einen Esel bringt man entweder mit der Peitsche zum Laufen, oder indem man ihm eine Karotte vorhält’, erklärt Mitorganisatorin Marie Schäffer aus Walle das Konzept des Carrotmobs.
Anreize schaffen
‘Auf den Klimaschutz und die Wirtschaft übertragen, bedeutet das: Man soll Anreize schaffen anstatt zu boykottieren.’ Die meisten der elf jungen Leute haben sich über das Internet kennengelernt: In den sozialen Netzwerken studiVZ und Facebook existieren Gruppen, denen sie sich angeschlossen haben. Seit November planen sie die Aktion.
‘Wir haben ziemlich schnell festgelegt, dass wir den Carrotmob im Viertel veranstalten werden’, sagt Vanessa Hagedorn. Danach habe die Gruppe in mehreren Geschäften gefragt, ob sie an der Aktion teilnehmen wollten.
‘Es gab eine gute Resonanz’, sagt die Auszubildende. ‘Mehrere Läden haben sich bei uns gemeldet, aber nur ,Que Pasa Amigos? war bereit, die Hälfte seines Tagesumsatzes zu investieren.’
Unterstützung zugesagt
Unterstützung haben die Jugendlichen unter anderem vom BUND und von der vom Umweltministerium geförderten Kampagne ‘Klima sucht Schutz’ bekommen.
Eine Energieberaterin steht ihnen zur Seite und berät den Laden, an welchen Stellen er die Umwelt auch langfristig besser schützen kann.
‘Eine Idee ist zum Beispiel, Ökostrom zu beziehen’, sagt Marie Schäffer. Genau festgelegt seien die Ziele bisher aber noch nicht. ‘Aber bis zum 27. Februar arbeiten wir mit der Expertin einen Vertrag aus, den der Geschäftsführer ,Que Pasa Amigos? dann unterschreiben muss.’
Seit der Ort des Carrotmobs festgelegt worden ist, werben die elf Organisatoren mit Flyern, über Mundpropaganda und natürlich im Internet für die Aktion.
Kunden sensibilisieren
‘Wir möchten die Menschen darauf aufmerksam machen, dass Waren nur dann produziert werden, wenn sie sie kaufen’, sagt Vanessa Hagedorn.
Wenn sie am 27. Februar zu ‘Que Pasa Amigo’ gehen, dann helfen sie mit ihrem Geld, die Umwelt zu schützen. ‘Da reicht auch schon ein Euro.’
Begleitet wird die Aktion von einem abwechslungsreichen Programm: Am Carrotmob-Tag wollen die jungen Leute unter anderem mit einer großen Möhre vor dem Geschäft warten. Und am Abend wollen sie im Internet-Café Lift feiern.
Der Carrotmob wird am 27. Februar in dem Kiosk Que Pasa Amigos, Vor dem Steintor 8-10 veranstaltet. Die Hälfte seines Tagesumsatzes investiert der Laden in Energiesparmaßnahmen.
Infos unter http://bremen.carrotmob.org.
Anmerkung: Im ursprünglichen Artikel war versehentlich vom “Osterstorsteinweg 8″ die Rede, richtig ist aber “Vor dem Steintor 8-10″.